eBook Reader versus Buch: Gegenüberstellung des Für und Wider

7 01 2013

Seit guten 1,5 Jahren bin ich nun im Besitz eines eBook Readers, genauer gesagt eines Amazon Kindle 3G. Für mich persönlich ist das Gerät zwischen Vorlesungssaal, Nebenjob und zu Hause mit die beste Anschaffung, die ich in den letzten Jahren getätigt habe. Da ich nicht nur im Freundes- und Bekanntenkreis, sondern auch in Bus und Bahn hinsichtlich meines Kindle ziemlich häufig angesprochen werde und dabei immer wieder auf die selben – teilweise sehr fragwürdigen – Vorurteile stoße, habe ich mich entschlossen zu diesem Thema einmal einen längeren Post zu schreiben.

Was sind das also für Argumente, mit denen ich immer wieder konfrontiert werde?!

1.) “Wie ist die Lesequalität bei einem eBook Reader? Das muss doch mit der Zeit sehr ermüdend für die Augen sein.”
Jein. Ganz nach dem Motto “Qualität hat ihren Preis” kommt es bei eBook Readern sehr auf das gewählte Modell an. Bei einem günstigen (Einsteiger-) Gerät würde ich diese Aussage durchaus bejahen. Die Oberfläche mancher Reader ist teilweise für die Augen schlecht ausgeleuchtet, auch lässt sich die Schriftgröße nicht unbedingt variieren. Alles Gründe, die zu einem schnelleren Ermüden der Augen führen. Für eine ausführlichere Aussage fehlen mir hier jedoch die Erfahrungswerte. Geräte der höheren Preiskategorie, wie dem Kindle 3G oder seinem Nachfolgermodell, dem Paperwhite 3G, wird eine spezielle Technologie, sog. E Ink-Displays, benutzt. Diese im Kindle verbauten Displays sind so konzipiert, dass man wie in einem tatsächlichen Buch liest. Selbst bei langem Lesen ermüden die Augen nicht.

2.) “Dein Kindle ist total unpraktisch: Emails, Internet surfen, etc. Das ist so umständlich, da wärst du mit einem iPad besser bedient gewesen.”
Wenn ich diese Aussage höre, sträuben sich mir jedes Mal wieder die Nackenhaare zu Berge. Warum? Ganz einfach: Ein Kindle ist primär zum Lesen gedacht, nicht mehr und nicht weniger. Ja, das Gerät hat zusätzliche Funktionen, wie das Abspielen von Musik oder die Möglichkeit im Internet zu surfen. Diese sind jedoch zugegebenermaßen in ihrer Anwendung nicht sonderlich ausgereift. Ich betrachte diese allerdings als nette Gimmicks, ja sogar Spielereien, die man nach Lust und Laune einmal nutzen kann. Auch wenn das Gerät weitere Funktionen anbietet, ist der vordergründige Zweck eines eReaders, Bücher, PDF Dateien, etc. zu lesen. Wenn ich ausgiebig im Internet surfen, Fotos bearbeiten oder meiner Emailkorrespondenz nachgehen möchte, verwende ich mein iPad bzw. meinen Laptop. Und habe ich Lust auf Musik, nutze ich meinen iPod. Mit letzterem versuche ich schließlich auch nicht, ein Haushaltsbuch zu verwalten oder mich via GPS an einen bestimmten Ort navigieren zu lassen.

3.) “Also, ein eBook Reader wäre überhaupt nichts für mich. Ich möchte

  • beim Lesen ein Buch riechen.
  • die Seiten zwischen den Fingern spüren, wenn ich umblättere.
  • den Fortschritt sehen, den ich geschafft habe.
  • anhand der Bücher in meinem Regal wissen, was ich jemals gelesen habe. Und das sollen auch ruhig alle sehen können. Das zeugt nämlich von Intellekt.” (Zusammenfassung der vordergründig auftauchenden Argumente von Buchliebhabern.)

Nun, ein Buch riechen. Riecht ein Buch überhaupt? Und wenn ja, nach was bitte? Druckerschwärze? Totes Holz? Und warum ist das für den Lesegenuss so entscheidend?

Die Seiten zwischen den Fingern spüren wollen: Wenn ich mit meinem Kindle lese, spüre ich diesen auch auf meiner Hand, vor allem dann, wenn ich beim Umblättern das Knöpfchen drücke.

Egal ob Buch oder eReader: Bei beiden kann man den Fortschritt der bereits gelesenen Seiten sehen. Beim Hardcover anhand der Seitenzahl, bei meinem Kindle je nach Wunsch in Form einer Prozentangabe, eines von links nach rechts fortschreitenden Balkens oder auch schlicht und einfach an der Zahl der bereits gelesenen Seiten. Wo ist da nun der Vorteil für das Buch?

Ganz ehrlich: Nur weil jemand viele Bücher in einem Regal stehen hat, sagt das noch lange nichts über dessen Intelligenz aus. Ein proppen volles Bücherregal mag durchaus Mutmaßungen über den Charakter oder die Vorlieben einer Person bzgl. einem bestimmten Genre zulassen, das will ich gar nicht bestreiten. Aber was soll mir das bitte für einen Vorteil zu einem eBook Reader bringen? Prestige und Stolz ggü. anderen, was anderes ist das in meinen Augen nicht. Und um zu wissen, welche Bücher ich jemals gelesen habe, lassen sich einfachere Möglichkeiten in Erwägung ziehen. Stichwort: Evernote, unter Umständen auch eine Excel oder Word Datei.

Zudem sei noch gesagt: Ein jedes Buch nimmt Platz weg, ob nun die kleine Taschenbuchausgabe oder der schwere Hardcover Schinken mit 600 Seiten aufwärts. Im Laufe der Zeit sammeln sich somit gefühlte Tonnen von totem Holz an, die ihr dann weiteres trauriges Dasein nach 1x lesen in vor sich hin verstaubenden Regalen verbringen dürfen. Verleihen? Nein, auf gar keinen Fall! Das Buch bekommt man eh nicht mehr zurück. Und wenn doch, dann total zerknittert und mit Fettflecken darauf. Verschenken? Mhm, ja, vielleicht. Aber nur dann, wenn ich auch ganz genau weiß, dass meine Bücher in gute Hände kommen und pfleglich behandelt werden. Und wegwerfen kann man Bücher aber natürlich auch nicht, weil man das “halt nicht tut”. So!

4.) “Ich habe gehört, dass das Umblättern mit einem eBook Reader ziemlich umständlich sein soll. Ständig zum Seitenwechsel einen Knopf drücken müssen und dann jedes Mal die sich neu aufbauende Seite, oder? Nervt dich das nicht?”

Ja, jeder eBook Reader benötigt eine Geste, die das Umblättern zwischen den einzelnen Seiten ermöglicht. Sei es nun ein Gerät mit Touchoberfläche und Gestensteuerung oder durch Bedienung anhand eines Knopfdruckes. Ebenso ist richtig, dass sich jede Seite nach dem Umblättern neu aufbaut. Dies geschieht jedoch so schnell, dass weder der Lesefluss gestört wird noch der Vorgang beim Lesen sonderlich wahrgenommen wird. Vor allem dann nicht, wenn man gerade intensiv in eine Geschichte vertieft ist. In meinen 1,5 Kindle Jahren ist mir bisher nur aufgefallen, dass das Umblättern umso langsamer dauert, je kälter die Umgebungstemperatur wird. Merklich auffallend ist das allerdings nur bei Minustemperaturen. Und wann ist man schon so verrückt und liest draußen in der bitteren Kälte? Eben! ;)

Was gibt es sonst noch über meinen Kindle 3G (einziges Gerät mit Tastatur) zu sagen?
Hier die Vor- und Nachteile kurz zusammengefasst:

Vorteile:

  • passt in nahezu jede Tasche
  • leicht im Gewicht (247 Gramm)
  • eine Vielzahl von Büchern immer mit dabei (mit rund 3 GB genügend Speicherplatz für weit mehr als 1.000 Bücher)
  • eine Akkuladung reicht meiner Erfahrung nach für das Lesen von ca. 1,5 Büchern, wenn WLAN bzw. 3G deaktiviert ist
  • neuer Lesestoff kann bequem und einfach via Amazon Kindle Shop nachgekauft werden

Nachteile:

  • gekaufte Dateien unterliegen dem Kopierschutz, können also nicht an andere Leute verliehen werden
  • es werden nur bestimmte Dateiformate unterstützt, vordergründig MOBI-Dateien für ebooks, des Weiteren noch PDF, Audible (Audible Enhanced (AA, AAX)), MP3, HTML, DOC, JPEG, GIF, PNG sowie BMP nach Konvertierung
  • ebooks sind nur unwesentlich billiger als ihre Brüder in Papierform
  • die in meinem Gerät verbaute Tastatur kommt nahezu nie zum Einsatz, maximal zum Suchen eines Werkes im Kindle Shop (sämtliche Nachfolgermodelle haben daher nur noch eine virtuelle Tastatur, was in meinen Augen auch vollkommen ausreicht)

Abschließen möchte ich mit den Worten meines Marketing Professors: “Wo kein Bedürfnis vorhanden ist, wird keine Nachfrage entstehen.” Kurzum gesagt: Wer aus welchem Gründen auch immer kein Interesse an einem eBook Reader hat, wird sich weder in naher noch in ferner Zukunft ein entsprechendes Gerät kaufen. Ich hoffe, mit meinem Artikel für die unentschlossenen Leser ein wenig Licht in die Wirrungen der Vorurteile gebracht zu haben. Die Entscheidung über den Kauf muss jedoch jeder selbst wissen.

Somit jeder Leseratte fröhlich spannendes Lesen, ob nun mit oder ohne eBook Reader. :-)

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6 Antworten zu “eBook Reader versus Buch: Gegenüberstellung des Für und Wider”

7 01 2013
Elmi (14:25:02) :

Also ich muss sagen, dass ich spontan mit den Kids im Zug oder auf Reisen schon das ein oder andere Buch runtergeladen hab. Da wird der Kopierschutz dann plötzlich überdeutlich. Wieviele Leser hatte wohl früher ein Kinderbuch? 6,99 für eine Geschichte vom kleinen Drachen Kokosnuss, die nur ich und nur an einem meiner Geräte mit der Kindle-App lesen kann – das wäre der richtige Preis, wenn das Buch dazu dann mindestens 12,99 gekostet hätte. Denn Papier, Druck, Logistik etc. wurde ja auch noch gespart. Fazit: Praktisch, aber der Preisunterschied ist zu gering.

7 01 2013
Tanja (15:56:25) :

Mittlerweile nutze ich meinen eBook-Reader in der Arbeit,weil er einfach weniger Platz in der Tasche braucht.Auch im Urlaub hatte ich ihn dabei.Doch zu Hause liebe ich es immer noch mal wieder ein Buch in der Hand zu halten und meine “Sucht” (Mhm wieviel Seiten sind noch bis zum nächsten Kapitel,ach schaut nicht viel aus,lesen wir noch.Cool schon das dreiviertelte Buch geschafft) auszuleben.Diese kann ich sicherlich über die Seitenanzahl beim eBook auch erfahren,aber da liebe ich das “handfeste” ;)
Absoluter Blödsinn ist ja das Argument der Gegner “je mehr Bücher im Regal,desto schlauer”.Da hatte ich wirklich was zum schmunzeln :D
Ich gebe dir auch voll recht,wer einen eBook-Reader will,kauft ihn und wer nicht,eben nicht.
Ich bin so 50/50.Und finde die Entwicklung super,hoffe nur das es nicht so schnell die Zeit gibt,in der keine Bücher mehr existieren.

Ps:sehr gelungener Eintrag! :D

11 02 2013
Marc (15:43:29) :

Ich mag es, ein Buch in der Hand zu halten, das Papier zu spüren. Ich habe gerne Bücher in meinen Regalen stehen, nicht um anzugeben, sondern weil es den Raum schmückt und ich hin und wieder zufällig ein Buch aus dem Augenwinkel wahrnehme und ein zweites (oder drittes) Mal lese. Und ich verleihe sehr gerne Bücher. Ausserdem habe ich nach WikiLeaks mein Amazon-Konto gelöscht (was gar nicht so einfach war).

Aber das sind meine Gründe, keinen Reader zu haben – ansonsten: Jeder wie er mag.

Nur in einem Punkt muss ich widersprechen: Die Aussage Deines Marketing-Professors “Wo kein Bedürfnis vorhanden ist, wird keine Nachfrage entstehen.” ist im besten Falle arg verknappt. Bedürfnisse lassen sich generieren. Apple zB macht uns das meisterlich vor, seit Jahren.

20 02 2013
Bumi (18:50:22) :

Ich bin ein absoluter Verfechter des Kindle… ich hatte das von dir beschriebene Modell und bin jetzt auf den Paperwhite umgestiegen und zwar nur weil ich mein Exemplar verschenkt habe und eben auf den neueren und eben kleineren Nachfolger umgestiegen bin.
Vorteile die ich hinzufügen möchte:
– Das Lesen im dunkeln ist jederzeit möglich. Beim alten Modell durch praktische Cover mit eingebauter Leselampe, beim Paperwhite durch eine kaum zu übertreffende Bildschirmbeleuchtung, die die Augen IMHO weniger anstrengt als das “übliche” Lesen.
– Jederzeit sind ausreichend Bücher zur Hand. Gerade im Urlaub liest man doch mal etwas schneller oder mehr als man Gedacht hat. Das kann einem mit etwa 10-15 ungelesen Büchern auf dem Kindle nicht passieren. Aber versucht mal so viele Bücher im Koffer mitzunehmen. Das ist kaum möglich – zumindest nicht wenn man mit RyanAir fliegt, da kann das schon mal teuer werden ;)
– Ach und bezüglich der Angeberei mit den vielen Büchern… Mit dem Kindle wird man oft in der Öffentlichkeit (oder auch zu Hause) angesprochen und neugierig ausgefragt, was das denn sei etc… Jemanden mit einem Bücherregal am Rücken habe ich jedoch noch nie gesehen ;)
Nachteile die noch zu erwähnen wären:
– KEINE (echt nicht)!
Alles in allem kann hast du mir die Worte aus dem Mund genommen… Auch meine beste Anschaffung in den letzten Jahren, v.a. im Bezug auf Preis/Leistung.

10 03 2013
Aaron (16:14:31) :

Ich habe zwar selber kein ebook, aber da ich gerade eine Facharbeit über dieses Thema verfasse und mich desshalb recht intensiv damit beschäftigt habe kann ich nur sagen, dass aus meiner Betrachtenden Sicht, die beste alternative ein Mix aus ebook und Buch ist -> beim Kauf eines Buches sollte man auch die ebook datei dazuerhalten. Somit kann man zu hause das gute alte Buch durchschökern und auf dem Weg zur Arbeit oder auf Reisen kann man dann auf das ebook zurückgreifen.
Aber alles in allem kann man sagen, dass ebook und Buch eigentlich keine Konkurrenten, sondern nebeneinander existierende Medien sind, da beide ihre klaren Vorteile haben.

Guter Eintrag, außerdem! :)

11 09 2013
Thorben Kaufmann (11:50:44) :

Erst einmal: EBooks (Hardware) werden verkauft. Das “Buch” in digitaler Form übertragen wird eher zum lesen genehmigt, als verliehen oder verkauft.
Das System des Buch verleihens auch im Freundeskreis wird hiermit angegriffen, genauso die Möglichkeiten auch an etwas sagen wir extravagante Bücher oder Bücher ausserhalb des Mainstreams heranzukommen.
Es wird gegessen, was auf den Tisch kommt!
Ein weiterer Fortschritt zur Einheitsgesellschaft und auch ein Angriff auf das Freidenkertum ist die Einführung solcher Technik, die ja nun recht zentralistisch aufgebaut ist.
Praktisch, ja! Das sind, was das tragen angeht, diese Geräte allemal.
Aber faktisch hänge ich mein Wissen und das, was ich wissen möchte nicht an den Nagel der Datenleitung oder des immer-sicheren Datenverkäufers, der niemals löschbaren Daten.
Genau wie diese Texte irgendwann von den Platten geputzt werden, wird auch die Kultur in den Texten gelöscht.
“Der Typ ist ein ewig gestriger…!”
Naja, ganz so ist es nicht. Eher andersrum. Jeder soll für sich entscheiden.
Aber man muss ja nicht jedes Bonbon gierig fressen, dass der böse Onkel an der Ecke einem schenken möchte… “Ich hab doch die freie Wahl, was ich lese…!” – So? ist das so auf dem eBook Markt? Glauben Sie das wirklich?
Kopf einschalten!
Hamburger und Pommes sind auch praktischer als Butterbrot und Kartoffel.

Mein Hintergrund: selbst. Hard- und Softwareentwickler sowie IT-Berater
privat: Unter ständigem Versuch frei denkend zu bleiben recht amüsiert über die “moderne Welt von heute” und die nach neuem lechzende Masse.

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