Trostlose Bankenlandschaft in Rostock – Teil II

8 06 2009

Warum hat die Postbank eigentlich noch Kundenschalter?!?

Heute folgt der zweite Teil in meiner kleinen Artikel-Serie über die Rostocker Bankenlandschaft.

Das Online Banking ermöglicht, dass wir uns eine Vielzahl mühseliger Besuche in eine Bankfiliale ersparen können. Unabhängig von Öffnungszeiten können Überweisungen bequem von zu Hause aus eingegeben werden, der aktuelle Kontostand ist in wenigen Minuten überprüft, die neuesten Kontoauszüge werden am eigenen Computer ausgedruckt. Sogar bestimmte Tarife für Prepaid-Handys können online wieder aufgeladen werden. Dennoch gibt es immer noch einige wenige Fälle, bei denen ein Bankschalter unabdingbar ist (z.B. Einreichung eines Schecks).

Ich bin nun schon seit einigen Wochen Kundin der Postbank. Bisher (!) war ich mit dem Bankhaus auch ganz zufrieden. Die Kontoeröffnung verlief schnell und unkompliziert, das Online Banking funktionierte tadellos. Seit meinem letzten Besuch in der Hauptgeschäftsstelle am Neuen Markt in Rostock bin ich allerdings etwas anderer Meinung.

Ja, ich gehöre auch zu der Gruppe von Leuten, die einen jeden (un)nötigen Besuch in einer Bankfiliale versuchen zu vermeiden. In letzter Zeit hatten sich bei mir allerdings ein paar Erledigungen in Sachen “dafür braucht man dann doch mal einen Bankangestellten” angesammelt. Also machte ich mich zwangsläufig auf den Weg zur Postbank.

Die Warteschlange war (wieder einmal) sehr lang. Nur drei der (ich glaube) sieben Kundenschalter waren zur Stoßzeit belegt, die in blau gekleideten Mitarbeiter kamen allmählich in Sichtweite. Endlich am Schalter angekommen, wollte ich

  1. mein seit längerer Zeit angesammeltes Kleingeld auf mein Konto einzahlen,
  2. für einen bald geplanten Urlaub Sorten (ausländisches Bargeld) besorgen und
  3. die drei Freiversuche meiner Geheimzahl für meine Bankkarte wieder freischalten lassen.

1.) Kleingeld:
Meinen Bestand an Münzen wurde ich leider nicht los. Laut Aussage der Angestellten könne sie mein loses Hartgeld nur annehmen, wenn es gerollt sei. Eine übliche Geldzählmaschine stünde in der Zweigstelle nicht zur Verfügung. Wenn ich es nicht gerollt abgeben wolle oder könne, müsse ich zur Sparkasse gehen. Dort gäbe es zwar eine Zählmaschine, aber ich müsse mir im Klaren sein, dass ich als Nichtkunde der Ostseesparkasse eine Gebühr zahlen müsse.

Was ist das denn bitte für eine Bank, wenn man sein Kleingeld “nur gerollt” abgeben kann?
Tatsache, ich habe in einem viel kleineren Kreditinstitut als der Postbank meine Ausbildung zur Bankkauffrau abgeschlossen. Wir hatten allerdings in jeder Geschäftsstelle, sei diese auch noch so klein und nur mit zwei Angestellten besetzt gewesen, eine Geldzählmaschine! Zudem konnten Kunden ihre Münzbestände sowohl gerollt als auch in loser Form abgeben.

Außerdem, warum werde ich von einer Mitarbeiterin der Postbank direkt zur Konkurrenz geschickt? Hat sie es nicht mehr nötig mir ihre Dienstleistungen zur Verfügung zu stellen?
Gut, die Postbank ist die größte Privatkundenbank Deutschlands. Einen Kunden wie mich wird man verschmerzen können. Wer weiß, wie lange sie diese Stellung allerdings noch beibehält, wenn sie weiterhin so mit ihren Kunden umspringt…

Herrscht eigentlich nicht auch ein ständiger Kleingeldmangel im deutschen Geldverkehr?
Bestimmt ist die Abgabe von Münzen ausschließlich in Rollen nur ein gerissener Schachzug der Postbank, um das “Kleingelddefizit” aufzuhalten. Ich steige nur nicht so ganz dahinter. Ihr etwa?

2.) Sorten
US-Dollar, die ich für einen geplanten Urlaub benötigte, konnte ich zum Zweiten leider nicht besorgen. Die gewünschte Fremdwährung, so die Mitarbeiterin, sei via Telebanking zu bestellen. Ich müsse nur ganz einfach die entsprechende Telefonnummer anrufen, meine persönliche Geheimzahl für das Telebanking nennen und die gewünschte Währung mit Betrag. Nach ein paar Tagen würde per Kurier die Sorte geliefert und ich könne diese in der Postfiliale meiner Wahl abholen.

Nicht einmal gängige ausländische Währungen, wie US-Dollar oder Britische Pfund, können direkt – ohne vorherige Bestellung – in der Hauptgeschäftsstelle in Rostock mitgenommen werden. Ich sehe ein, dass Banken nur einen begrenzten Vorrat an Sorten zur Verfügung haben. Schließlich unterliegen Währungen gewissen Kursschwankungen bzw. werfen in Form von Bargeld keine Zinsen ab.
Ich mag mich wiederholen, aber: während meiner Lehre konnten Kunden ohne Voranmeldung die wichtigsten ausländischen Währungen abholen.

Wenn schon die Bestellung von Sorten notwendig ist: warum ist die Bestellung nur über das Telebanking möglich? Warum keine Bestellung am Schalter?
Ich sehe es nicht ein eine gebührenpflichtige Nummer anrufen zu müssen. Vor Ort ließe sich eine Bestellung genauso gut abwickeln. Warum also auf diesem Weg, frage ich mich. Ein zusätzlicher kleiner Nebenverdienst?!?

3.) Freischaltung der Freiversuche der Geheimzahl
Wie war es nicht anders zu erwarten. Auch die Freiversuche der PIN für meine Bankkarte konnte vor Ort natürlich nicht freischalten lassen. Das Zurücksetzen des Fehlbediehnungszählers sei in der Filiale leider nicht möglich. Ich müsse meine Bankkarte bei der zuständigen Abteilung einschicken. Dort werde innerhalb weniger Tage die Karte entsperrt und wieder an mich zurückgeschickt.

Bitte? Warum muss ich meine Karte zur Aktivierung der PIN-Versuche einschicken?
So etwas kenne ich ja gleich gar nicht. In den Geschäftsstellen meines alten Ausbildungsbetriebs gab es extra kleine Geräte, mit denen die Fehlversuche für die Geheimzahl wieder hochgesetzt werden konnten. Diese Apparaturen standen zwar nur in jeder größeren Filiale zur Verfügung, aber wir konnten diese Fälle direkt am Schalter innerhalb weniger Minuten erledigen!

Alles in allem bleibt nun nur noch eine Frage zu klären:
Warum bietet die Postbank ihren Kunden überhaupt noch einen Schalter an, wenn sich sämtliche Geschäftsvorfälle nur via Konkurrenz, Telebanking oder Einschicken erledigen lassen?

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8 Antworten zu “Trostlose Bankenlandschaft in Rostock – Teil II”

8 06 2009
Basti (22:22:23) :

Ich sehe das System dahinter: Dem Kunden den für das Unternehmen teuren Gang zum Schalter gänzlich abgewöhnen…

9 06 2009
Tobias (10:11:33) :

Du Arme… Kann deinen Frust verstehen, mich würde das auch enorm nerven!

9 06 2009
Ingo Jürgensmann (17:04:58) :

Ohjeohje…

Aber irgendwie war mir das von vornherein klar, dass es so kommen wuerde. Nichts gegen Rostock oder so, aber da ich urspruenglich aus Osnabrueck komme, bin ich auch anderes gewohnt. Selbst in der recht grossen Sparkassenfiliale im Suedstadtcenter muss man mitunter recht lange warten, ob im Prinzip reichlich Leute vorhanden sind, die sich mal an den Schalter stellen koennten.
In Osnabrueck bei der Sparkasse ging man rein und kam gleich dran. Selten, dass ich mal warten musste. Und wenn, dann stellte man sich an einen freien Schalter und wurde umgehend bedient. Im Suedstadtcenter bekam ich dann nur den rotzigen Hinweis, dass ich mich am anderen Schalter anstellen muesse, weil dort nicht bedient werde (obwohl ich Fremdwaehrung eintauschen wollte und am entsprechenden Schalter stand).

Aehnliches kann man uebrigens auch auf den Aemtern hier feststellen. Traurig, traurig…

Achso… ich durfte letztens irgendwas um 200-300 Euro an Hartgeld hier in Warnemuende zur Spasskasse bringen, auch in der irrtuemlichen Annahme, dass die (wie meine Bank in Osnabrueck) dort eine Geldzaehlmaschine haetten. Allein schon, dass die Aus-/Einzahlung noch voellig altertuemlich an einem seperaten Kassenschalter (Panzerglas, etc) gemacht wird, fand und finde ich befremdlich. Das wenig freundliche “Nee! Das nehme ich so nicht an!” begeisterte mich nicht wirklich. Stattdessen musste ich das Geld in einen Beutel tun, der dann in der Zentrale gezaehlt wurde. Erst Tage spaeter kam dann das Geld aufs Konto.

Eigentlich muesste ich sowas auch mal verbloggen, aber im Moment bin ich mit anderen Themen ausgelastet… ;-(

9 06 2009
Isa (17:43:40) :

Kleingeld muss in Beutel gepackt und an die Hauptgeschäftsstelle geschickt werden? Tage später wird der Betrag erst gutgeschrieben?
Auch so einen Fall kenne ich aus meiner Lehrzeit nicht. Wie bereits im Artikel beschrieben, wir hatten in jeder Zweigstelle eine Geldzählmaschine. Manche waren vielleicht nicht mehr auf dem neuesten Stand. Kunden konnten aber jederzeit ihre Münzbestände bei uns einzahlen bzw. wechseln. Selbst bei Nichtkunden haben wir das Geld anstandslos umgetauscht ohne dabei eine Bearbeitungsgebühr zu verlangen.

Die Bankdienstleistungen in Rostock werden irgenwie immer schlimmer. Das ist schon wirklich traurig…

9 06 2009
Ingo Jürgensmann (17:49:55) :

Naja, Buchungstag war immerhin der Tag, an dem ich das Geld hingebracht habe. Trotzdem: traurig. In der Tat.

10 06 2009
Sebastian Boldt (15:23:55) :

Die Probleme klingen vertraut. Von der Postbank halte ich auch nicht mehr allzuviel, hab vergleichsweise gleichzeitig Konten bei der Deutschen Bank, beim CommerzAMT und bei der OSpa. Vorallem kommt bei der Postbank halt noch der Postverkehr dazu, deshalb bilden sich dort Warteschlangen, wenn ich dort Geld abheben will, muss ich erst 3 Formulare ausfüllen, bei der dt. nur eines. Außerdem sind die Laufwege für die Mitarbeiter viel zu lang. Hab selber 12 Wochen Praktika bei der Deutschen Bank gemacht. Die sollten bei der Postbank endlich mal einiges im Arbeitsablauf ändern, wird Zeit nachdem sie geschluckt wurde.

15 06 2009
Gebi (21:13:11) :

Das ist ja echt schlimm hier…. die Stadt ist (mit Ausnahmen natürlich) eine Dienstleistungswüste! Letztens wurde ich sogar in einer Tankstelle wütend aufgefordert nicht so laut zu sprechen!!!! Die spinnen ;-)

Ich bin bei der VR Rostock und werde dort super bedient – liegt aber vielleicht auch am Berater!

Jedenfalls gibt es einiges zu tun hier :-)

17 06 2009
Isa (21:54:43) :

Ein guter Schalerangestellter, den man mit der Zeit auch schon “besser” kennt, ist sehr viel wert. Vor allem in einer größeren Stadt!
Bisher bin ich hier in Rostock allerdings noch keinem begegnet…

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