Die Sage von den Erdinger Turmschiebern

17 08 2009

Zur Abwechslung einmal ein wenig Heimatkunde: durch Zufall bin ich auf eine Sage aus meiner Geburtsstadt Erding in Bayern gestoßen.

Die meisten werden von Erding bestimmt schon einmal gehört haben. Viele verbinden mit der Kleinstadt 35 km nordöstlich von München das bekannte Weißbier aus der Fernsehwerbung. Neben dem berühmten Gerstensaft bietet die Stadt auch Platz für Europas größte Saunalandschaft (Therme Erding) oder ein abwechslungsreiches Rutschparadies (Galaxy).

Eine weitere kleine Besonderheit findet sich in der Erdinger Innenstadt wieder: Kirchturm und Kirchenschiff sind nicht miteinander verbunden. Die folgende Sage erzählt, wie die Erdinger Bevölkerung versuchte die beiden Bauwerke miteinander zu verbinden.

Es wird erzählt, dass den Erdingern trotz ihres Reichtums nach dem Bau der Kirche das Geld ausgegangen sei. Ein pfiffiger Handwerker aus dem benachbarten Moosburg soll dem Erdinger Magistrat das Angebot gemacht haben, gegen hundert Gulden den Stadtturm die paar Meter zur Kirche hinüber zu schieben – was die Erdinger aus Sparsamkeit gleich selber versuchen wollten.

Starke Männer und noch stärkere Ochsen stemmten sich gegen den Turm, konnten freilich nicht erkennen, wie viele Zoll der erste Schub ausgemacht hatte. Ein Fuder Bier brachte ihnen frische Kraft und eine Idee:

Der feine Rock des Bürgermeisters wurde in geringem Abstand als Streckenmarkierung vor den Turm gelegt und erneut schoben die Erdinger von hinten an. Mit einem gewaltigen Ruck wuchteten sie den Trum soweit zur Kirche hinüber, dass der Mantel unter dem Bauwerk verschwunden war. Das jedenfalls berichteten sie stolz sogar dem Herzog, der tags darauf zu Besuch gekommen war.

Als wenig später ein Brief beim Erdinger Magistrat eintrag, in dem stand, dass der Bürgermeister seinen Rock im Mossburger Rathaus abholen könne, wollten die Erdinger ihren Schildbürgerstreich erst recht nicht mehr eingestehen. Seitdem wurde der Erdinger Bürgermeisterrock allen hohen Besuchern Mossburgs vorgezeigt und die Erdinger waren landauf landab die Gelackmeierten. Der pfiffige Handwerksbursche hatte den Mantel dorthin gebracht, nachdem er ihn während des “Turmschiebens” unbemerkt entwendet hatte.

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