Warum hat die Postbank eigentlich noch Kundenschalter?!?
Heute folgt der zweite Teil in meiner kleinen Artikel-Serie über die Rostocker Bankenlandschaft.
Das Online Banking ermöglicht, dass wir uns eine Vielzahl mühseliger Besuche in eine Bankfiliale ersparen können. Unabhängig von Öffnungszeiten können Überweisungen bequem von zu Hause aus eingegeben werden, der aktuelle Kontostand ist in wenigen Minuten überprüft, die neuesten Kontoauszüge werden am eigenen Computer ausgedruckt. Sogar bestimmte Tarife für Prepaid-Handys können online wieder aufgeladen werden. Dennoch gibt es immer noch einige wenige Fälle, bei denen ein Bankschalter unabdingbar ist (z.B. Einreichung eines Schecks).
Ich bin nun schon seit einigen Wochen Kundin der Postbank. Bisher (!) war ich mit dem Bankhaus auch ganz zufrieden. Die Kontoeröffnung verlief schnell und unkompliziert, das Online Banking funktionierte tadellos. Seit meinem letzten Besuch in der Hauptgeschäftsstelle am Neuen Markt in Rostock bin ich allerdings etwas anderer Meinung.
Ja, ich gehöre auch zu der Gruppe von Leuten, die einen jeden (un)nötigen Besuch in einer Bankfiliale versuchen zu vermeiden. In letzter Zeit hatten sich bei mir allerdings ein paar Erledigungen in Sachen “dafür braucht man dann doch mal einen Bankangestellten” angesammelt. Also machte ich mich zwangsläufig auf den Weg zur Postbank.
Die Warteschlange war (wieder einmal) sehr lang. Nur drei der (ich glaube) sieben Kundenschalter waren zur Stoßzeit belegt, die in blau gekleideten Mitarbeiter kamen allmählich in Sichtweite. Endlich am Schalter angekommen, wollte ich
- mein seit längerer Zeit angesammeltes Kleingeld auf mein Konto einzahlen,
- für einen bald geplanten Urlaub Sorten (ausländisches Bargeld) besorgen und
- die drei Freiversuche meiner Geheimzahl für meine Bankkarte wieder freischalten lassen.
1.) Kleingeld:
Meinen Bestand an Münzen wurde ich leider nicht los. Laut Aussage der Angestellten könne sie mein loses Hartgeld nur annehmen, wenn es gerollt sei. Eine übliche Geldzählmaschine stünde in der Zweigstelle nicht zur Verfügung. Wenn ich es nicht gerollt abgeben wolle oder könne, müsse ich zur Sparkasse gehen. Dort gäbe es zwar eine Zählmaschine, aber ich müsse mir im Klaren sein, dass ich als Nichtkunde der Ostseesparkasse eine Gebühr zahlen müsse.
Was ist das denn bitte für eine Bank, wenn man sein Kleingeld “nur gerollt” abgeben kann?
Tatsache, ich habe in einem viel kleineren Kreditinstitut als der Postbank meine Ausbildung zur Bankkauffrau abgeschlossen. Wir hatten allerdings in jeder Geschäftsstelle, sei diese auch noch so klein und nur mit zwei Angestellten besetzt gewesen, eine Geldzählmaschine! Zudem konnten Kunden ihre Münzbestände sowohl gerollt als auch in loser Form abgeben.
Außerdem, warum werde ich von einer Mitarbeiterin der Postbank direkt zur Konkurrenz geschickt? Hat sie es nicht mehr nötig mir ihre Dienstleistungen zur Verfügung zu stellen?
Gut, die Postbank ist die größte Privatkundenbank Deutschlands. Einen Kunden wie mich wird man verschmerzen können. Wer weiß, wie lange sie diese Stellung allerdings noch beibehält, wenn sie weiterhin so mit ihren Kunden umspringt…
Herrscht eigentlich nicht auch ein ständiger Kleingeldmangel im deutschen Geldverkehr?
Bestimmt ist die Abgabe von Münzen ausschließlich in Rollen nur ein gerissener Schachzug der Postbank, um das “Kleingelddefizit” aufzuhalten. Ich steige nur nicht so ganz dahinter. Ihr etwa?
2.) Sorten
US-Dollar, die ich für einen geplanten Urlaub benötigte, konnte ich zum Zweiten leider nicht besorgen. Die gewünschte Fremdwährung, so die Mitarbeiterin, sei via Telebanking zu bestellen. Ich müsse nur ganz einfach die entsprechende Telefonnummer anrufen, meine persönliche Geheimzahl für das Telebanking nennen und die gewünschte Währung mit Betrag. Nach ein paar Tagen würde per Kurier die Sorte geliefert und ich könne diese in der Postfiliale meiner Wahl abholen.
Nicht einmal gängige ausländische Währungen, wie US-Dollar oder Britische Pfund, können direkt – ohne vorherige Bestellung – in der Hauptgeschäftsstelle in Rostock mitgenommen werden. Ich sehe ein, dass Banken nur einen begrenzten Vorrat an Sorten zur Verfügung haben. Schließlich unterliegen Währungen gewissen Kursschwankungen bzw. werfen in Form von Bargeld keine Zinsen ab.
Ich mag mich wiederholen, aber: während meiner Lehre konnten Kunden ohne Voranmeldung die wichtigsten ausländischen Währungen abholen.
Wenn schon die Bestellung von Sorten notwendig ist: warum ist die Bestellung nur über das Telebanking möglich? Warum keine Bestellung am Schalter?
Ich sehe es nicht ein eine gebührenpflichtige Nummer anrufen zu müssen. Vor Ort ließe sich eine Bestellung genauso gut abwickeln. Warum also auf diesem Weg, frage ich mich. Ein zusätzlicher kleiner Nebenverdienst?!?
3.) Freischaltung der Freiversuche der Geheimzahl
Wie war es nicht anders zu erwarten. Auch die Freiversuche der PIN für meine Bankkarte konnte vor Ort natürlich nicht freischalten lassen. Das Zurücksetzen des Fehlbediehnungszählers sei in der Filiale leider nicht möglich. Ich müsse meine Bankkarte bei der zuständigen Abteilung einschicken. Dort werde innerhalb weniger Tage die Karte entsperrt und wieder an mich zurückgeschickt.
Bitte? Warum muss ich meine Karte zur Aktivierung der PIN-Versuche einschicken?
So etwas kenne ich ja gleich gar nicht. In den Geschäftsstellen meines alten Ausbildungsbetriebs gab es extra kleine Geräte, mit denen die Fehlversuche für die Geheimzahl wieder hochgesetzt werden konnten. Diese Apparaturen standen zwar nur in jeder größeren Filiale zur Verfügung, aber wir konnten diese Fälle direkt am Schalter innerhalb weniger Minuten erledigen!
Alles in allem bleibt nun nur noch eine Frage zu klären:
Warum bietet die Postbank ihren Kunden überhaupt noch einen Schalter an, wenn sich sämtliche Geschäftsvorfälle nur via Konkurrenz, Telebanking oder Einschicken erledigen lassen?